Künstliche Intelligenz

KI-Texte tragen jetzt ein Wasserzeichen — und was das für Ihren Betrieb heißt

5 Minuten Lesezeit

Auf einen Blick

  • Seit dem 2. August 2026 markiert Anthropic Texte aus Claude mit einem Wasserzeichen.
  • Es steckt nicht in den Dateiangaben, sondern in der Wortwahl selbst — Kopieren und leichtes Überarbeiten entfernen es nicht.
  • Es kann belegen, dass ein Text aus der KI stammt. Den Umkehrschluss erlaubt es nie: Kein Wasserzeichen heißt nicht „von Hand geschrieben“.
  • Für Betriebe ist das kein technisches Thema, sondern ein Absprachethema — mit Dienstleistern und im eigenen Haus.

Was passiert ist#

Anthropic versieht Inhalte, die mit Claude erzeugt wurden, seit dem 2. August 2026 mit einem Wasserzeichen und mit C2PA-Metadaten. Inzwischen hat das Unternehmen nachgereicht, wie das bei Texten technisch funktioniert. Nachzulesen bei Golem, worauf sich dieser Beitrag stützt.

Das Ganze ist eine Antwort auf europäische Vorgaben zur Kennzeichnung künstlich erzeugter Inhalte. Wir sind keine Anwälte und nennen deshalb keine Paragrafen — aber die Richtung ist klar: Wer maschinell erzeugte Inhalte verbreitet, soll sie kenntlich machen.

Das Wasserzeichen steckt in der Wortwahl#

Das ist der Teil, der die meisten überrascht. Ein Sprachmodell wählt beim Schreiben Wort für Wort aus mehreren Möglichkeiten, die alle passen würden. Welche es nimmt, entscheidet normalerweise ein Zufallsgenerator.

Beim Wasserzeichen tritt an dessen Stelle ein kryptografischer Schlüssel. Der Text bleibt inhaltlich derselbe und liest sich unverändert — aber die Abfolge der gewählten Wörter folgt einem Muster, das sich mit dem passenden Schlüssel nachweisen lässt.

Anthropic nutzt dafür nach eigenen Angaben SynthID-Text von Google DeepMind; das Verfahren geht auf eine Idee des Informatikers Scott Aaronson aus dem Jahr 2022 zurück.

Praktisch heißt das: Kopieren Sie den Text in eine E-Mail, in Word oder in Ihr Redaktionssystem — das Wasserzeichen bleibt. Es hängt nicht an der Datei, sondern am Text.

Wo es nicht greift#

Das Verfahren braucht Auswahlmöglichkeiten. Wo es keine gibt, entsteht auch kein Muster. Nach Anthropics Darstellung heißt das:

  • Je länger der Text, desto zuverlässiger der Nachweis. Bei kurzen Texten wird es dünn.
  • Reine Fakten und Quellcode lassen kaum gleichwertige Formulierungen zu — dort bleibt wenig Raum für das Muster.
  • Korrekturlesen zählt kaum. Lässt jemand einen selbst geschriebenen Text nur durchsehen, ändert das Modell zu wenige Wörter für einen zuverlässigen Nachweis.
  • Übersetzungen tragen immer eines — dort wählt das Modell jedes Wort selbst.

Was das Wasserzeichen nicht ist#

Es ist keine Überwachung. Nach Angaben von Anthropic enthält das Muster keine personenbezogenen Daten und lässt keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer, Organisationen oder Unterhaltungen zu. Es kostet auch keine zusätzlichen Tokens und wirkt sich nur geringfügig auf Geschwindigkeit und Preis aus.

Es ist noch nicht überall prüfbar. Eine Schnittstelle, mit der sich ein Text auf das Wasserzeichen untersuchen lässt, ist zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch in Arbeit.

Und es ist kein Nachweis für das Gegenteil. Das ist der wichtigste Punkt des ganzen Themas: Findet man ein Wasserzeichen, weiß man etwas. Findet man keines, weiß man nichts — der Text kann von einem Menschen stammen, von einem anderen Anbieter oder von einem Modell ohne Kennzeichnung.

Wie schwer es zu entfernen ist#

Nach Anthropics eigener Einschätzung reicht leichtes Überarbeiten nicht aus. Vollständig verschwindet das Muster erst, wenn praktisch jedes Wort ersetzt wird — dann aber hat man den Text ohnehin selbst geschrieben.

Dem wird widersprochen: Alex Cui, Mitgründer des Erkennungsdienstes GPTZero, hält Wasserzeichen nach diesem Prinzip für umgehbar und verweist darauf, dass frei verfügbare Werkzeuge Googles SynthID bereits ausgehebelt hätten. Seine Aussagen beziehen sich allerdings auf das allgemeine Verfahren; Anthropics konkrete Umsetzung und der zugehörige Schlüssel sind nicht veröffentlicht.

Für die Praxis ist die Frage ohnehin die falsche. Wer ein Wasserzeichen entfernen will, hat ein anderes Problem als ein technisches.

Was das für Ihren Betrieb heißt#

Die Technik ist das kleinere Thema. Das größere ist eine Frage, die in vielen Betrieben nie gestellt wurde: Wissen Sie, welche Texte in Ihrem Namen mit KI entstehen?

Angebotstexte, Stellenanzeigen, Newsletter, Website-Inhalte, Bedienungsanleitungen — vieles davon entsteht heute mit Unterstützung, und oft weiß die Geschäftsführung es nicht. Solange niemand nachprüfen konnte, war das folgenlos. Das ändert sich gerade.

Drei Punkte, die sich ohne Aufwand klären lassen:

  • Im eigenen Haus: Sagen Sie, was erlaubt ist und was nicht. Ein Satz in einer Arbeitsanweisung reicht — und er nimmt den Mitarbeitern die Unsicherheit, ob sie etwas Verbotenes tun.
  • Bei Dienstleistern: Fragen Sie, ob und wofür KI eingesetzt wird. Das gehört in den Auftrag und nicht in eine spätere Überraschung. Wer die Frage nicht beantworten mag, hat sie beantwortet.
  • Nach außen: Wenn Sie KI einsetzen, sagen Sie es selbst — bevor es jemand herausfindet. Das kostet nichts und macht einen Unterschied.

Wir halten uns an unseren eigenen Rat: Ganz unten auf jeder Seite dieser Website steht, dass Inhalte teilweise mit KI-Unterstützung entstehen und dass jeder Text von einem Menschen gegengelesen und freigegeben wird.

Ein Missverständnis, das gerade entsteht#

Weil Anthropic vorangeht, wird der Umkehrschluss bald zu hören sein: „Da ist kein Wasserzeichen drin, also hat das ein Mensch geschrieben.“ Das ist falsch, und zwar auf mehreren Ebenen — es betrifft nur einen Anbieter, nur ausreichend lange Texte, und nur solche, an denen nicht viel geändert wurde.

Ein Wasserzeichen ist ein Beleg in eine Richtung. Wer es als Prüfsiegel für Handarbeit benutzt, wird sich täuschen — und dabei ausgerechnet die Sorgfältigen bestrafen, die ihre Entwürfe gründlich überarbeiten.